Süddeutsche Zeitung: Tom Sawyer der Elektromobilität

Wie baut man Elektroautos für den Massenmarkt? Ein Start-up aus Aachen setzt auf die digitale Fabrik und Teilebaukästen.

"Die Liste der erfolgreichen Auto-Start-ups ist kurz", weiß Elon Musk. Die letzte erfolgreiche Neugründung sei Porsche vor 70 Jahren gewesen, so der Tesla-Boss. Auch die Zukunft des kalifornischen Elektroauto-Start-ups ist alles andere als gewiss. Für das Volumenmodell 3 musste kurzfristig umgeplant und eine zusätzliche Fertigungslinie eingeflogen werden. Jetzt werden die Autos in einem Zelt vor den Werkstoren in Fremont zusammengeschraubt. Kein Wunder, dass sich Musk in der "Produktions-Hölle" wähnt.

An der Frage, wie man Elektroautos für den Massenmarkt baut, haben sich schon andere die Zähne ausgebissen. Jeder Fehler oder Lieferengpass kann die Bänder stoppen und die Kosten weiter in die Höhe treiben. Von den vielen quirligen Elektroauto-Start-ups, die überall auf der Welt aus dem Boden gestampft werden, dürften daher nur wenige übrig bleiben. Werden Produkt- und Produktionsentwicklung nicht eng genug miteinander verzahnt, wächst mit den Stückzahlen auch der Schuldenberg.

Es kann also nicht schaden, Gründer und Produktionsexperte zugleich zu sein. So wie Günther Schuh: "Wir machen so ziemlich alles anders als Tesla", sagt der 59-Jährige und fügt süffisant hinzu: "Ich bin in der Fertigungsentwicklung seit 25 Jahren zu Hause. Die Produktion ist für mich der Himmel und nicht die Hölle." Seit 2002 hat Schuh den Lehrstuhl für Produktionssystematik an der RWTH Aachen inne, nebenbei war er auch als Unternehmer ständig aktiv. Nach dem gewinnbringenden Verkauf seines StreetScooter-Projekts 2014 an die Deutsche Post rief er die e.GO Mobile AG ins Leben.

 

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