BILD: Die kleine Elektro-Revolution

In der Steilkurve des Test­geländes bei Aachen gibt der kleine Wagen noch mal alles, um am Ende der Geraden auf 150 km/h zu kommen. Es klappt nicht ganz. Professor Günther Schuh, Boss der e.GO Mobile AG, wirkt etwas enttäuscht. Doch auch er weiß, dass sein Modell Life 60 gerade nicht in seinem natürlichen Lebensraum fährt. Der ist die Stadtstraße, nicht die Steilkurve.

„Und? Bequem?“, fragt Schuh (2,03 Meter) den Reporter (1,92 Meter). „Wir haben die Sitze noch mal um viereinhalb Zentimeter erhöht. Die Leute wol­len alle dieses SUV-Feeling.“ Und das in einem dreieinhalb Meter kurzen Kleinwagen. Im Elektroauto. Im Preisbrecher. In einer kleinen Revolution!

Das Start­up aus Aachen baut ab dem kommenden Frühjahr in der bereits fertiggestellten Fabrik das günstigste E-­Auto überhaupt: In der Version Life 20 mit 20 bis 25 kW Dauerleistung kostet das Stadtauto nach Abzug der E­-Auto-­Prämie 11 900 Euro – Akku inklusive. Oder 99 Euro im Monat im Lea­sing.

Ein Billigauto? Oder mehr? Der erste Eindruck des etwa zu 85 Prozent fertigen Serienautos: tolles Design. Sportlich, aber kompakt. Breite Reifen, weite Spur, tiefer Schwerpunkt für ein Kartfeeling, das in der 60­kW­ Variante tatsächlich aufkommt. Dazu Platz für die zwei Riesen vorn, zwei große Zwerge hinten und, bei umgelegter Rückbank, 680 Liter Stauraum.

Los geht’s. Schuh nennt seinen Life den 15­-Minuten­-Wagen, weil es nur so kurz dauert, bis man das Auto kom­plett verstanden hat. Die kurze An­fahrverzögerung, wenn das Fahrpedal getreten wird, soll noch verschwinden. Es gibt drei Fahrmodi: Eco, Comfort und Sport. Die Rekuperation ist noch schwach, wird mit einem Softwareupdate aber bis zum Serienstart angepasst, auch um auf die 12,5 kWh Ver­brauch zu kommen.

So oder so ist das Auto flink und unproblematisch zu fahren. Für die Stadt, als Zweitwagen ideal. „Da ist auch die Reichweite völlig ausreichend“, sagt Schuh. Mehr als die maximal 158 Kilometer würden den e.GO Life deutlich verteuern. Ebenso das Schnellladen. Rund 2700 Euro müsste der Kunde mehr zahlen. „Und das will ich nicht machen.“ Schuh sieht kein Problem mit einphasigem Laden. Sogar das Laden per Schuko­ Stecker über Nacht ist für ihn zumut­bar – alles wird dem Diktat eines niedrigen Kaufpreises untergeordnet.

 

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