Es gibt nichts Besseres als einen Elektroantrieb für Klein- und Stadtwagen.

Robert Krammer, 08.09.2020

Gefühl und Passform:

In einen Kleinwagen der Spaltmaßverrückten deutschen Automobilindustrie passe ich nicht rein, es sei denn, ich baue den Fahrersitz aus und sitze auf der Bodenplatte. Ich bin leider Sitzriese und finde es unangenehm, wenn mein Hinterkopf an der Decke anliegt und über das Ohr an der A-Säule einsteigen muss. Das interessanten Fertigungsverfahren, der langlebige Aufbau und die damit verbundenen niedrigen Folgekosten, waren für mich die Gründe mir den Prototypen des e.GO Life anzusehen. Eine hohe Fahrgastzelle, kurze Überhänge, breite Reifen und eine gute Rundumsicht. Genau was ich für meine täglichen beruflichen Fahrten brauche. Ein reiner Elektroantrieb, war Konzeptstimmig, aber für mich nicht unbedingt Kaufbestimmend. Ich hätte auch jede andere Antriebstechnik mit vergleichbaren Verbrauchswerten und Leistung genommen.

Elektroantrieb:

Das sehe ich nach den ersten 5500 km anders. Es gibt nichts Besseres als einen Elektroantrieb für Klein- und Stadtwagen. Selbst mit 13-15kw/100 Strom ist man in der Stadt agiler unterwegs als mit jedem Kolbenmotor. Voraussetzung ist aber, das Fahrzeug nicht zu schwer ist. Ich denke, bei den aktuellen Akkulatorengewichten und Speicherdichten sind die 24 kW eine ideale Größe. Größere Akkus sind meiner Meinung nach nur der Tribut an ungeeignete, weil zu schwere, Basisfahrzeuge und bedingen eine noch nicht genug verbreitete Gleichstromladetechnik. 

Die Entscheidung:

Nach Einsicht der Fahrtenbücher von mir und meinen Kollegen aus 2015-2017 war zu sehen, dass ich als Geschäftsführer die kürzesten Fahrziele hatte, davon aber viele pro Tag. Und das Fahrzeug ist über den Tag 2 Stunden in Betrieb, ansonsten steht es nur rum und kann geladen werden. Also war für mich Reichweite und Ladewartezeiten ein eher untergeordnetes Faktum. Wenn ich jetzt mal eine längere Strecke fahren muss, tausche ich mit jemanden, der einen Verbrenner fahren muss oder leiste mir den Luxus, nicht selbst fahren zu müssen. Da es bei uns keine festen Parkplätze gibt, war aber die Voraussetzung, an jedem Parkplatz laden zu können. Eine passende Infrastruktur ließ sich im Jahr 2019 realisieren, da sowieso die Parkplätze neu angelegt und CEE Steckdosen gleich mit verlegt wurden. Die werden primär mit dem überschüssigen Strom aus der Photovoltaik des Serverraums versorgt. Dank der Gewerbeförderung des Landes NRW und der Energieförderung des Bundes mit zusammen 8000€ hat mich das Fahrzeug mit Folierung und Beschriftung in Firmenfarbe rund 13.000 € gekostet. Die jährlichen Kosten belaufen sich auf ca. 50% eines Verbrenners, bei einer Nutzdauer 8 Jahre und 20.0000km. Im Jahresmix betragen die Stromkosten ca. 5,25€ pro 100km.  Ein Schnapper!

Laden:

Ich lade nicht gerne an öffentlichen Säulen, selbst wenn es schnell gehen würde. Ich lade zuhause und in der Firma, auch beim Kunden, wenn er es anbietet. Ich benutze zwei Ladekabel, eins für die normale Schuko Steckdose, von vielen als Notladekabel bezeichnet, da nur max. 2,8 kW/h in die Batterie gehen. Zusätzlich eine mobile Wallbox in CEE 32AH bis 22kw/h, wobei mein e.GO Life nur maximal 3.7kw/h laden kann. Im Prinzip ist die Wallbox für die Kunden, die mit einem Stromer zur Besprechung kommen und zwischenladen müssen.  Den e.GO mit seien gerade mal 24kw/h bekomme ich in der Regel zu meinen Bürozeiten über die einfache Schuko Steckdose wieder voll, wenn ich konsequent nachlade. Das Ladekabel für die Schuko Steckdose hat noch einen immensen Vorteil: der e.GO Life lädt immer, egal ob der Wagen offen oder abgeschlossen ist oder ob die Zuleitung erst angeschaltet wurde, nachdem das Ladekabel schon im Fahrzeug steckt. Wallboxen haben wegen der höheren Ströme erheblich höhere Sicherheitsmaßnahmen, bei mir muss erst die Wallbox hausseitig geschaltet werden, dann braucht sie ca. 45 Sekunden, bis ich den Wagen anstecken kann, dann muss der TYP2 Stecker ins Auto und das abgeschlossen werden, sonst lädt der Wagen nicht. Wird diese ‚Zeremonie‘ nicht eingehalten, beginnt das Ganze von vorne. Dafür bin ich zu ungeduldig… Besser das Ladekabel für die Schuko Steckdose in die Wand, Typ2 in den Wagen, smarte Steckdose per Handy anschalten, fertig. Einmal bin ich bisher liegengeblieben, auf der A44 Richtung Düsseldorf, da die letzte Ausfahrt vor der Rheinquerung gesperrt war. In Stockum habe ich jemanden mit einer Kabeltrommel getroffen, der mir ausgeholfen hat.

Fahren:

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Wagen zum überwiegen Teil im SPORT-Modus fahre und mit einer Ladung so 110km weit komme. Die Beschleunigung ist einfach mehr als angenehm, das Kurvenverhalten ähnelt dem eines Gokarts, der Antriebsstrang ist so betriebssicher, dass ein aktives Fahren auch sicher bleibt. Es gibt nicht die geringsten Traktionsverzögerungen im für die Stadt wichtigen Bereich von 0 bis 70km/h. Immer wieder sehe ich erstaunte Gesichter in zwei Tonnen-SUVs im Rückspiegel, wenn ich sie an der Ampel einfach stehen lasse. Von den Stromern Ihrer Klasse sind diese Verkehrsteilnehmer das wohl schon gewohnt, nicht aber von einem reinen Stadtflitzer. Manche können das nicht so stehen lassen und mit großem Geröhre wird dann richtig Sprit verbrannt. Das ist für mich dann der Punkt aus diesem Gehabe auszusteigen, mit der leisen Berechnung, dass ihn diese Beschleunigungsorgie jetzt wieder so viel Entropie gekostet hat, wie meinem e.GO auf weiteren 20 Kilometern.

Ich fahre in der Regel allein oder mit einem Kollegen. Die Rücksitzbank ist bei mir permanent umgelegt und mit einem in Wagenfarbe angepassten Teppich abgedeckt. Dort transportiere ich das was sonst auf der Rücksitzbank rumflog, nämlich Notebooks und Muster.

Vermisse ich meinen Oberklassen ‚Knall-Peng‘:

Was vermisse ich… leise sind beide, bei dem einen aus Isolationsgründen, beim anderen durch die Antriebstechnik. Auf der Tankstelle vielleicht den Geruch von Super am Morgen. Die Verarbeitung des Armaturenbretts und die Seitenführung des Fahrersitzes. Den geringeren Planungsaufwand bei den täglichen Fahrten. Was ich nicht vermisse, sind die 15€ pro 100km/h und die Verrenkungen um auf ‚Normparkplätzen‘ ins Auto rein und rauszukommen.

War würde ich von der e.GO Life First Edition zur Serie verbessern?

Auf jeden Fall mehr Farboptionen für außen, wie bereits geplant. Einen besseren Schlüssel: er ist zu groß und der Kunststoff zu schlecht, ich würde ihn kleiner und aus besserem Material fertigen, alternativ eine Keyless-Schaltung per App/Bluetooth anbieten. Mehr Lade- und Ablageinfrastruktur auf dem Mitteltunnel für Handys. Die Sitze und die Schaltung könnte man verbessern. Wenn der e.GO Life schnell in eine Linkskurve geht, schiebe ich regelmäßig den Wählhebel in Neutral: Die Seitenbeschleunigung ist so groß, dass ich im Sitz zur Mitte hin rutsche und mit dem Oberschenkel an den Schalthebel komme. Der Schub ist dann schlagartig weg. Für die Zukunft würde ich den Wahlhebels komplett verlagern. Ein besserer Sitz als Option ist ebenfalls wünschenswert. Und eine GSM-Option per Hardware oder APP für Telematik und Werksupdates.

Fazit:

Ein tolles Fahrzeug, mit einem durchdachten Aufbau und eine beeindruckende Manufaktur-Fertigung. Mehr Auto brauche ich für 95% meiner Fahrten nicht. Ich habe mich dafür entschieden, wegen 5% nicht mehr 95% der Zeit unbesetzten Transportraum zu bewegen.

Gute Wünsche:

Ich hoffe, dass bald die Finanzierung für die weitere Fertigung gesichert werden kann. Auch, dass die traditionellen deutschen Hersteller Sie jetzt als möglichen Flottenpartner im Segment des e.GO Life wahrnehmen und die Autofahrer nicht noch Jahre bis zur verspäteten Serienreife vergleichbarer E-Kleinwagenserien vertrösten werden.

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